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News & Aktuelles

Berufliche Recherche oder ein Hammer Bike-Trip

2015-08-17 17:48
von Stephan Obenaus

Echte Leidenschaft liefert unvergessliche Erlebnisse ...

Wer touristische Mountainbike-Konzepte entwickelt, von Zielgruppenanalysen und Produktentwicklung spricht, Bike-Texte & Content schafft und behauptet, über die Zielgruppe bescheid zu wissen, der sollte auch Teil dieser Zielgruppe sein. Auf der Suche nach den besten Bike-Trails zwischen dem Schweizer Engadin und dem Südtiroler Vinschgau verschwimmen ganz leicht die Grenzen zwischen beruflicher Recherche und drei guten Freunden, die eine legendäre Woche in ihren Bike-Sätteln verbringen.

Was sagt die Planung? Viel Individualität und so wenige ausgefahrene Alpencross-Pfade wie möglich. Moment, nichts gegen Alpencross, oder "Transalp", wie diese Art des Mountainbike-Urlaubs oft genannt wird, wir waren jedoch auf der Suche nach einem Rundkurs auf sportlichen Trails und mit tollen Panoramen. Nicht ohne dabei die lokalen Beherberger, diverse Anbieter und Shutteldienste zu kontaktieren und ein wenig auf die Probe zu stellen. 

Wir starten "zollfrei"

Kick-Off dieses Trail-Infernos war in Livigno. Vielen vielleicht unbekannt, entwickelte sich Anfang der 2.000er Jahre in Livigno Bike-Tourismus. 2005 fand hier die Mountainbike-WM statt und wie in so manchen bekannten Bike-Regionen des SalzburgerLandes, waren es Politiker vor Ort mit einer Leidenschaft für den MTB-Sport, die das Projekt damals vorantrieben. Was ist davon geblieben? Wunderschöne Routen, Hammer Trails und endlose Enduro-Spielplätze. Der Bikepark Mottolino ist verpielt zu fahren, Beförderungsanlagen und Infrastruktur vor Ort funktionieren. Mit den Nine Knights Mountainbike hat sich Livigno einen ganz besonderen Event geholt - Anfang September 2015 geht hier die Bike-Post ab. Erich, 1/3 unserer Bike-Truppe und gerne gesehener Livigno-Experte ist als Event-Manager bei den Nine Knights dabei und kann mehr zu diesem Thema erzählen. Fazit zum Start unserer Tour: Livigno IST Mountainbike und eine spitzen Location. Atemberaubende Landschaft trifft auf Zollfreihandelszone und großen Bike-Sport.

Rüber zum Stilfserjoch

Klingt so, als wäre das alles gleich um die Ecke. Ist es nicht. An unserem ersten Tag waren einige KM und HM zu absolvieren, um unser Etappenziel zu erreichen. DAS hat sich aber ausgezahlt. Nach einer Nacht auf knapp 2.700 m in der Tibethütte genossen wir nicht nur einen tollen Sonnenaufgang, sondern kamen quasi "zum Frühstück" in den Genuss eines besonderen Trail-Leckerbissens. Der Goldseetrail liefert seit Jahren Zündstoff für Kontroversen rund um Wegerecht, Verbote und Bike-Freigaben. Bike-Verbotsschilder haben nicht funktioniert. Der Andrang der Biker ist offenbar auch zu groß, um sie gemeinsam mit vielen Wanderern unkontrolliert auf das steile Gelände loszulassen. Die Südtiroler sind schlau. Bike-Hotels, lokale Anbieter und Shutteldienste arbeiten hier zusammen und bringen die Biker früh morgens oder Abends zum Start des Goldseetrails. Ab 09:00 Uhr und bis 16:00 Uhr ist es Bikern untersagt, in den Trail einzusteigen.

Und das funktioniert?

Offensichtlich - und ich hab auch eine Meinung darzu, warum das so ist:

1) Wer die Bike-Zielgruppe respektiert und ihr Raum für ihren Sport gibt, spricht diese an und erreicht sie.

2) Wer Produkte entwickelt und damit die Bedürfnisse seine Gäste befriedigt, der hält die Fäden in der Hand und steuert.

3) Wenn lokale Anbieter, Vereine und Touristiker kooperieren, entsteht meist etwas Gutes, das auch funktioniert.

Der Weg aufs Stilfserjoch ist weit, so gut wie kein Enduro-Biker will sich die 48 Asphaltkehren aus eigener Kraft erstrampeln. Ein Shuttelservice muss her und wenn dieses dann genau zu jenen Zeiten fährt, wann das Biken am Trail auch erlaubt ist, werden die Probleme zwischen Bikern und Wanderern auf einmal verschwindend klein. Soviel zum Thema: mit Produkten den Ablauf steuern. Fazit von mir: Problemlösung vorbildlich - niemand muss verzichten und jede Zielgruppe hat Platz auf dem atemberaubend schönen Goldseetrail.

Danach noch zu den Eidgenossen

Warum ist die Schweiz so anders? Ist es die Währung, die Menschen oder dass alles soviel kostet? Für Mountainbiker ist die Schweiz aus einem ganz anderen Grund anders - man findet so gut wie keine verbotene Trails. Als letzte Location unseres Trips haben wir uns das Bike-Mekka St.Moritz ausgesucht. Verdreckte Enduristen bei den Reichen und Schönen? Ja genau - kein Mountainbiker hat sich dort wohl je einen Maserati gekauft oder seiner Holden eine Bulgari Halskette erstanden UND trotzdem sind Mountainbiker gerne gesehen und erklärte Zielgruppe für den Schweizer Nobelort.

Super-Trails mit gegenseitigem Respekt, Stil und Trail-Etikette. Jeder darf sich auf den Wegen frei bewegen. Vom Biker, über Wanderer, bis zum Läufer. Ehrlich jetzt - das funktioniert. Ich glaube auch hier verstanden zu haben warum: man käme sich in und um St.Moritz blöd vor, sich auf einem Trail daneben zu benehmen. Wer sich respektiert und wertgeschätzt fühlt, hält sehr wahrscheinlich Regeln ein. Verbotsschilder hingegen wirken wie Magnete auf ambitionierte Mountainbiker und Trail-Fetischisten. Es ist wie das Amen im Gebet - hinter jedem Bike-Verbotsschild verbirgt sich ein Trail, der vermutlich sensationell zu fahren ist.

Infrasktrukur topp, Beförderung super und die Hotellerie hat sich auch sehr gut auf die bikenden Gäste eingestellt. Von Hardware bis Software und passenden Angeboten und Produkten ist alles vorhanden. Hingegen der noch immer weitläufigen Meinung, dass es sich bei Bikern um "junge Wilde" handelt, hat man in der Schweiz verstanden, dass die erlebnishungrige Mountainbike-Klientel durchaus kaufkräftig ist und sich ihren Bike-Urlaub etwas kosten lässt. Region, Hotellerie, Beförderungsbetriebe und lokale Anbieter von Guiding bis Service profitieren gleichermaßen.

FAZIT

Der Bike-Tourismus wächst und wächst. Es sind lange nicht nur die "young guns", die sich in atemberaubendem Speed die Berge runterschmeißen. Mountainbiken ist in jeder Generation und in jeder Bevölkerungs- und Einkommenschicht angekommen. Biker geben Geld aus, um in Regionen zu reisen, die in einschlägigen Fachmedien beworben werden. Ständig auf der Suche nach dem ultimativen Bike-Erlebnis, das sich tief und nachhaltig in ihr Gedächtnis brennt. Jene Regionen, die dies erkennen, Erlebnisse schaffen oder zumindest positive Eindrücke NICHT VERHINDERN, werden in Zukunft die großen Gewinner am zunehmend hart umkämpften Tourismusmarkt sein.

Soviel dazu: bei aller Liebe zum Job, Recherche und der ständigen Suche nach fachlichem Know-How - im Endeffekt war die letzte Juliwoche 2015 ein sensationeller Bike-Trip mit zwei wirklich guten Freunden, traumhafter Landschaft und einigen der besten Trails, die man so unter seine Reifen bekommen kann.

Da werde ich wohl bald wieder mal unterwegs sein ...

Euer Stephan

netz-&-werk

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